Dienstag, 1. November 2022

Kungsleden 2021 - Tag 6 Kaitumjaure nach Teusajaure

 Eine windige Nacht bringt uns einen windigen Tag. Ich habe sehr gut geschlafen, auch wenn Urs meint, ich hätte einen guten Wald abgeholzt. Frühstück nehmen wir wieder IN der Hütte zu uns. Etwas überrascht, was wir hier denn machen würden, hat die Hüttenomi uns darüber aufgeklärt, dass wir das eigentlich gar nicht durften. Was uns denn einfiele und wenn wir gester nnicht so freundlich gewesen wären, würde sie jetzt einen riesen Aufstand machen. Day Fee ist eben nicht 24 h, sondern eigentlich nur von 11 - 16 Uhr des gleichen Tages. In all ihren Jahren hätte sie sowas noch nicht erlebt. Selbst nach mehrfacher Entschuldigung, konnte sie sich nicht zurückhalten und musste es uns noch zwei mal gesondert reindrücken. Sie würde sowas ja nie wieder machen, kleinen Finger gericht, ganze Hand genommen... *eye roll* Fortan war sie für uns die alte Hexe! Die Klamotten waren noch nicht ganz nass, aber immerhin nicht mehr so klamm wie gestern.

Ein ganzes, windiges Stück geht es meist bergab ins 9 km entfernte Teusajaure, dass wir gegen 12:30 Uhr erreichen. Tatsächlich ist aktuell hier niemand. Der Hüttendaddy würde erst gegen 16 Uhr wieder da sein. Wir standen also vor einer Entscheidung. Hier ist nämlich die erste Bootsetappe für uns.

Die Boote müssen immer so genutzt sein, dass immer mindestens ein Ruderoot auf einem Ufer ist. Man darf nur zu dritt in ein Boot. Das heißt, wir müssten mindestens dreimal hin und her rudern. Und es ist ziemlich windig. Zu windig beschließen wir, der Motorbootsservice vom Hüttendaddy wäre doch wünschenswert, auch wenn er dafür 200 SEK pro Person nimmt. Wir warten also eine ganze Weile und entschließen uns gegen die Day Fee ins Haus zu setzen und uns aufzuwärmen. Wenig später ist die wärme doch so einladend, dass wir uns entschließen die Nacht hier in der Hütte zu je 600 SEK pro Person zu verbringen, uns ordentlich zu waschen und auch unsere Klamotten alle einmal zu waschen.

Der Blick zurück auf den Hinweg und die Hütte des Hüttendaddies. Selbiger kommt recht pünktlich gegen 16 Uhr von einer Wanderung zurück. Zu unserer Überraschung bekommen wir nicht das große Gruppenhaus, sondern eine gemütliche Doppelhüttenhälfte für uns alleine. Wir buchen außerdem ein Platz auf dem Boot für morgen, 9 Uhr. 

Da wir hier uns nach dem Bad gut aufwärmen und natürlich unsere Klamotten trocken bekommen wollen, machen wir ersteinmal noch Feuerholz, und decken uns mit ein paar Snacks, Bier und Würstchen ein. Wir nehmen uns heiße Schoki-Beutel für schlechte Zeiten mit.




Die Preise für die seltsamste und schönste Verpackung auf der Reise. Die Würstchen sind übrigens sehr langweilig, dafür entdecken wir den leckeren schwedischen, leicht süßen Senf, der sich sehr gut zu den Würstchen macht und sie deutlich aufwertet.

Vor dem Baden und Waschen spielen wir noch ein paar Runden Lok'n'Roll.


Der Blick von unserer Hütte zur Bade- und Bootsablegestelle.

Erfrischt genießen wir das Bier, essen ein warmes Abendessen - Bulgur-Mischung mit Baked Beans (ebenfalls aus dem Station-Shop) - mit Schokolade als Nachtisch, und spielen noch ein paar Runden. Als es zu dunkel zum Spielen wird - man merkt die gut 100 km, die wir bereits wieder südlich sind, merklich - geht es Zähneputzen und Schlafen. Morgen um 7:30 Uhr klingelt der Wecker - wir wollen ja das Boot nicht verpassen ;-)

Auch ohne Zeltplatz ein Ping auf die Fjällstation:




Kungsleden 2021 - Tag 5 Fast in Signi bis Kaitumjaure

 Auch heute morgen waren die Mücken noch zahlreich vorhanden, da es aber deutlich windiger als gestern ist, konnten wir trotzdem im Freien frühstücken.

Was sich gestern bereits angekündigt hat, wird heute dann endlich Realität: Wir erleben einen ziemlichen Wetterumschwung und müssen schnell die Zelte abbauen, weil es zu regenen beginnt.

Die nächste Fjällstation ist drei Kilometer entfernt, dort können wir die Toiletten besuchen und unseren Müll entsorgen, der sich über die letzten Tage angesammelt hat.

Ein sehr schöner Blick auf die Klohäuschen :) Innen befindet sich eine Touri-Einkerbung: There and back again IRL. True story!

Auch wenn der Regen inzwischen aufgehört hat, wird der weitere Weg nicht besser. Die Mücken sind zurück und argressiver und nerviger denn je.


Die nächsten 14 km bis zur nächsten Station werden insgesamt nervig, da sich Mücken und Regen abwechseln und manchmal auch zusammen aufkommen. Außerdem kommt dazu, dass Michaels und meine Schuhe nass sind. Das ist insgesammt ziemlich unangenehm.


Die Herr der Ringe Vibes sind überall zu finden :)

Die Fjällstation Kaitumjaure begrüßt uns mit windigen, aber okayem Wetter. Einen Zeltplatz unweit des offiziellen Gebiets haben wir bereits gescoutet. Hier finden wir eine noch freundliche Herbergsdame aus Lappland, die uns trotz der etwas späten Ankunft um 15:30 Uhr noch die Räumlichkeiten der Station gegen eine Day Fee von 60 SEK pro Person benutzen lässt, wenn wir den beiden Mädels, die hier in der Station untergekommen sind, erklären, wie man Feuerholz macht, denn das wüssten die beiden nicht.

 

Michael und Urs nehmen sich der arbeit gerne an, während Uschi und ich in der Zwischenzeit ein Feuer machen und uns um unsere nassen Klamotten kümmern, die wir hier im Trockenraum aufhängen können. Die ältere Dame erklärt uns, dass sie schon seit ein paar Sommern in verschiedenen Stationen in der Sommersaison zum Arbeiten kommt. Hier erfahren wir von den Schlimmen Unwettern, die in Deutschland passiert sind (Ahrtal), allerdings nichts über das genaue Ausmaß. Den aktuellen Wetterbericht bekommt sie wohl immer nur morgens über das Satelitentelefon. Internetempfang gibt es hier natürlich keinen.

Zum Abendessen gibt es eine Pilzrahmsuppe mit Pumpernickel. Auch wenn es um 18:30 Uhr noch sehr früh ist gehen wir schon zum Zeltplatz und noch recht früh schlafen. Hoffentlich sind die Klamotten morgen wieder trocken.


Die heutige Etappe waren ca. 17 km. Auch hier wieder der Ping zum Zeltplatz:


Koordinaten: 67°44'48.2"N 18°18'05.3"E

Kungsleden 2021 - Tag 4 Hinter dem Tjäktjapass über Sälka auf dem Weg nach Signi

 Das Zelt war leicht abschüssig aufgestallt, dadurch war die Nacht soweit oben nicht nur kalt, sondern auch ungemütlich. Trotzdem werden wir zum ersten mal von der Sonne begrüßt und wir lassen uns Zeit beim Start in Tag. Ein mückenfreies Frühstück unter blauen Himmel, was will man mehr? Die erste Packung Müsli geht heute zu Ende.

Die nächsten 8 km bis Sälka gehen auf jeden Fall gemütlich bergab. Wir verabreden uns an der nächsten Fjällstation, damit wir den weiteren Tag dort gemeinsam verplanen können.

Wenige Meter von uns entfernt läuft ein Rentier entspannt den Weg nach oben :) 


There and back again.

Hier sieht man die Wegkennzeichnung für den Winterweg. Die Kreuze helfen auch im Sommer der Orientierung.

Welcome to Sälka.

Hier wohnen die Hütteneltern.

 Gemeinsame Mittagspause im Schatten. Die Sonne hinterlässt ihre Spuren, trotz Sonnenhut und Sonnencreme. Michael und Uschi sind tatsächlich nur wenig vor Urs und mir angekommen. Wir gewöhnen uns also tatsächlich ans Wandern, auch die Rucksäcke sitzen inzwischen deutlich besser. Man lernt eben nie aus. Im der Fjällstation gibt es ein Bierchen und ein paar Snacks. Daim und Pumpernickel sind eine echt gute Mischung! Da wir nicht einmal 14 Uhr haben, entschließen wir uns die nächste Tagesetappe Richtung Signi anzutreten. Damit verlassen wir den ersten "offiziellen" Abschnitt, der uns eigentlich über den Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens, nach Nikkaluokta bringen würde. Der Weg von dort nach Signi würde uns nur wieder den gleichen Weg zurückführen und darauf haben wir nicht so richtig Lust. Eine gute Entscheidung, wie sich später noch rausstellen sollte.

Auch auf diesem Abschnitt gibt es wieder spekatuläre Brücken.

Auch unterwegs sollte man einfach mal eine Pause machen und die Aussicht genießen!


Das warme Wetter, sicherlich über 25 °C macht durstig. Tatsächlich trinken wir heute deutlich mehr Wasser als die letzten Tage. Tatsächlich gibt es aber auch mehr Bäche, die vermutlich auch durch Schmelzwasser gespeist werden.


Hier würde es zum Kebnekaise gehen. Das schwedische Pärchen berichtet uns bei einem Treffen zwischen durch, dass sie diesen Weg antreten wollen und so verabschieden wir uns zwischendurch.

Ein Blick zurück unweit von unserem Nachtplatz, etwa 3 km vor Signi. Michael und Uschi waren bereits hier und haben eine gute, winddichte Stelle für die Zelte gefunden. Wir waschen uns und die Klamotten in einem kleinen Pool, den Michael im Bach aufgebaut hat und essen. Kurz nachdem die nassen Sachen in der Sonne trocknen sollten, ziehen Wolken auf. Ohne die Sonne und ohne Wind kommen die Mücken raus. Hier werden wir gefressen, wenn wir nicht wieder lange Sachen anziehen und ins Zelt krabbeln. Zum Abendessen gibt es Fertignudeln mit Bolo-Soße. 

Die heutige Etappe waren all-in-all vermutlich um die 19 km. 

Wie üblich der Link zur vermutlichen Zeltplatzstelle:

Koordinaten: 67°52'17.6"N 18°19'15.2"E

Montag, 31. Oktober 2022

Kungsleden 2021 - Tag 3 Alesjaure nach Tjäktjastugan?

 Eine kalte Nacht liegt zurück. Auch der Wind hat zugenommen und lässt unseren schönen Platz nun deutlich ungemütlicher wirken. Nach dem üblichen Müsli und Kaffee Frühstück packen wir gemeinsam die Zelte zusammen und machen uns auf den Weg zur 15 km entfernten Fjällstation von Tjäktjastugan.

 Dunkle Wolken stehen am Himmel und es windet. Was sich gestern bereits angekündigt hat, setzt sich fort: Michael und Uschi sind das schnellere Gespann. Da man in seinem Tempo laufen soll, ziehen die beiden uns etwas davon und Urs und ich bilden ein langsameres Team.

 
 
 
Wilde Gewässer und Brücken. Immer wieder spannend - und eine gute Gelegenheit, die Voräte aufzufüllen.

 
 
Verschnaufpausen sind wichtig. Besonders bei dem Wind :) 
Die Fjällstation liegt auf der anderen Seite eines Flusses. Das Gelände ist flach und steinig. Keine Chance für einen Zeltplatz. Es hat sich Regen in den Wind gemischt und es ist allgemein eher ungemütlich. Michael und Uschi erblicken uns von der Seite der Fjällstation und laufen uns entgegen, damit wir den unnötigen Weg gar nicht erst gehen. Nach kurzer Beratung entschließen wir uns, wenn auch etwas erschöpft noch weiter zu gehen, bis wir einen möglichen Platz finden. Da Urs und ich noch keine Pause hatten, nehmen wir uns ein paar Minuten in denen die anderen beiden schon vorausgehen.
 

Was wir dabei allerdings vergessen haben: Wir müssen jetzt auch noch über die höchste Stelle des Weges über den Tjäkjaspass auf etwa 1150 m ü.NN. Es wird kalt ohne Handschuhe und eine richtige Mütze.

 
 

An und durch Schnee geht es auf den Pass. Wir entdecken ein längst notwendiges Klohäusschen und eine Wanderhütte, in der wir uns Aufwärmen und schoneinmal ein Abendessen einnehmen wollen. Außerdem erwarten wir Michael und Uschi in der Hütte.

 
Pustekuchen. Die Beiden sind tatsächlich an der Hütte vorbei noch ins Tal gelaufen. Nunja, es wird getan was getan werden muss, außerdem essen wir eine orientalische Fertiglinsensuppe und unterhalten uns mit anderen Leuten. Ein Ultramarathonläufer, der hier die komplette erste Strecke am Stück ohne Gepäck läuft und sich gerade ein notwendiges Abendessen reinschiebt und etwas ausruht. Wir treffen die Schweden vom ersten Abend wieder, die hier aber auch nach kurzer Pause weiterlaufen. Wir bitten sie Uschi und Michael Bescheid zu geben, falls sie sich begegnen, dass wir auch demnächst aufbrechen wollen. Ansonsten ist hier zuletzt noch eine Gruppe aus Hessen, die auch etwas kaputt ist. Gestärkt und motiviert treten Urs und ich den Abstieg an. Nach einem Kilometer entdecken wir ein sehr bekanntes Zelt und bauen kurzdarauf unser Zelt daneben. Der Regen hat mittlerweile aufgehört.
 

Zeltplatz mit Aussicht! Und auf einem Schneefeld entdecken wir eine große Rentierherde! Wir versuchen etwas näher heran zu kommen, aber tatsächlich sind die Tiere sehr weit weg.

 
 
 Erschöpft geht es dann doch erstmal schlafen.

Die schöne Aussicht auf die nächste Etappe. Hier der übliche Pfeil auf unseren Schlafplatz:


Koordinaten: 68°00'45.5"N 18°14'32.9"E